FDP.Die Liberalen
Bezirkspartei Stadt Zürich
Bezirkspartei Stadt Zürich
23.03.2016

Fraktionserklärung der FDP Stadt Zürich zum Neumarkttheater

Frau Stadtpräsidentin: Sagen sie laut und deutlich: HALT! Und ziehen Sie die notwendigen Konsequenzen.

Für die Vorgänge vom vergangenen Freitag auf einer städtisch subventionierten Bühne und anschliessend auf Strassen und Plätzen Zürichs, die in jeder Beziehung des Wortes als „ungeheuerlich“ bezeichnet werden müssen, stützen wir uns auf die umfangreiche Berichterstattung des Tages-Anzeigers. Sofern etwas, was nachfolgend daraus wiedergegeben wird, nicht zutrifft, ist die Stadtpräsidentin aufgefordert dies richtigzustellen. Im Tagesanzeiger vom 17. März 2016 wurde die Stadtpräsidentin wie folgt zitiert: «Ich würde die Veranstaltung nur im äussersten Fall verbieten. Dieser träte ein, wenn durch die Aktion geltendes Recht verletzt würde».

Zum ersten Satz sagt die FDP-Fraktion: „Alle Achtung!“ Die Stadtpräsidentin hätte sich auch hinter Formalismen verstecken können („Unabhängige AG“, „Städtische Vertretung im VR nur in der Minderheit“, etc.). Aber sie hat klipp und klar gesagt, dass sie letztlich die Verantwortung trägt und auch die Macht hat, darüber zu entscheiden, ob den Herren Ruch und Konsorten das Handwerk gelegt wird, oder nicht.

Zum zweiten Satz: Das ist zweifach abwegig. Erstens gibt es wohl kaum einen vernünftigen Zweifel, dass das Schweizerische Strafrecht verletzt wurde. Zweitens ist die Stadtpräsidentin Mitglied einer Partei, die für sich in Anspruch nimmt, die Partei zu sein, die Respekt, Humanität, Anstand einfordert. Die Stadtpräsidentin äussert sich regelmässig auch persönlich in diesem Sinn. Und dann sollen solche Machenschaften, wie am Theater Neumarkt mit städtischem Geld finanziert werden?
Da sagen wir in aller Deutlichkeit (frei nach Herbert Wehner, SPD): „Das ist nicht in Ordnung! Im Neumarkt-Theater ist manches nicht in Ordnung…“

Dann zitieren wir aus dem TA vom 19. März 2016:
„Es war ein denkwürdiger Moment: Der Theaterabend war etwa 15 Minuten alt … [da] betraten die Verantwortlichen des Neumarkt-Theaters die Bühne.“ … „Aus Rücksicht auf das Theater und seine Mitarbeitenden beende er die Aktion hiermit, erklärte Kastenmüller. Wenn jemand trotzdem zu Köppels Privathaus marschieren wolle, tue er dies auf eigene Verantwortung. Das Neumarkt-Theater distanziere sich davon – und bitte alle, die gleichwohl an der Prozession teilnehmen würden, Köppels Privatsphäre zu respektieren. Diese beginne an Zürichs Stadtrand.“
Wir fragen die Stadtpräsidentin: Finden Sie diese Aussagen auch absurd, feige und verachtungswürdig?

Für die FDP-Fraktion ist klar: Sofern diese Darstellung zutrifft – und Berichtigungen oder Gegendarstellungs-Begehren sind uns bisher keine bekannt – sind der Neumarkt-Direktor und alle seine Mitläufer nicht mehr länger an einer städtisch subventionierten Bühne tragbar.

Abschliessend zitieren wir drei Persönlichkeiten, die sich wohl wesentlich kompetenter als alle heute in diesem Saal Anwesenden darüber äussern können, was das gesprochene und geschriebene Wort in der Kultur soll, kann und darf. Wir danken der Sonntagszeitung, dass sie Charles Lewinski, Franz Hohler und Adolf Muschg dazu haben zu Wort kommen lassen
Charles Lewinski:
«Selbstdarstellerischer Unfug, der des Köppel ermöglicht, seine Kritiker als Spinner abzuqualifizieren. Man sollte seine politischen Gegner mit Argumenten bekämpfen und nicht mit kindischen Beleidigungen.»

Franz Hohler:
«Jemanden pauschal als Nazi und Bösewicht abzustempeln und ihn zum Abschuss freizugeben, durch Autounfall, Ebola, Blitzschlag oder Voodoo, ist eine Wildwestmethode und lässt aus, was Kunst leisten kann.»

Und schliesslich – Adolf Muschg, der bekanntlich im Jahre 1975 für die Sozialdemokratische Partei des Kantons Zürich für den Ständerat kandidiert hat:
«Ich dachte, Donald Trump sei nicht mehr zu unterbieten – aber es geht noch dümmer. Denunziationsstil ist nicht nur schlimm und gefährlich, er ist auch ahnungslos und schon darum keine Kunst.»

Das PDF zur Fraktionserklärung finden Sie hier.

Michael Schmid, Fraktionspräsident